Geschichte der Mess

Die Geschichte der Nördlinger Mess‘

Die 14 Tage dauernde Nördlinger Pfingstmesse, die 1219 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird, war im Mittelalter eine der bedeutendsten Messen Oberdeutschlands, deren weites Einzugsgebiet im 15. Jahrhundert bis ins Elsaß, an den Mittelrhein und in die Niederlande, bis in die sächsischen und polnischen Lande, bis nach Linz und Wien und über die Alpenpässe hinaus reichte.

Eine Voraussetzung dafür, dass in Nördlingen eine Messe mit Aussicht auf Erfolg eingerichtet werden konnte, die sich dann sogar zu der süddeutschen Fernhandelsmesse überregionaler Art entwickelte, war und ist die verkehrsgeographische Lage der Stadt. Äußerst günstig liegt Nördlingen auf dem Weg einer großen Fernhandelsstraße von Osten nach Westen als Relaisstation einer bequemen, von Flussläufen vorgebildeten Traverse über die Alb zwischen Schwäbischem und Fränkischen Jura in der Riesebene, auf der Trasse, die im ferneren Nahbereich durch die königlichen Städte Regensburg, Donauwörth, Nördlingen, Bopfingen, Aalen und Schwäbisch Gmünd markiert ist. Diese Ost-West-Verbindung wird in Nördlingen durch einen nicht weniger stark frequentierten Straßenzug in nordsüdlicher Richtung gekreuzt, wobei im Süden Augsburg und Ulm, im Norden Würzburg und Nürnberg als Nahziele angegeben werden können.

Im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit war die Nördlinger Messe neben dem Warenhandel mit Fernhandelsgütern und Luxusartikeln wie zum Beispiel Büchern, Musikinstrumenten, Glas, Spiegeln und Gewürzen, über den Nahbereich des Umlandes hinaus stets Umschlagplatz für Korn, für Salz aus Bayern und für Wein aus Württemberg, für Roheisenprodukte und Eisenwaren besonders aus der Oberpfalz. Die Nördlinger Messe war daneben vor allem auch Großmarkt der heimischen Handwerker, insbesondere der Leinwand-, Barchent-, Loden- und Tuchweber, der Kürschner, Gerber und Lederer, die hier Rohmaterialien wie Flachs, Wolle, Garne, Pelze, Tierhäute sowie die wichtigen Farbstoffe einkauften und ihre Fertigprodukte verkauften; wobei sie die Qualität und Konkurrenz ausländischer Erzeugnisse, die hier auch feilgeboten und gehandelt wurden, wie zum Beispiel feine brabantische und mittelgute rheinische Tuche, lombardische Stoffe, böhmische Tuche und sogar spanische und französische Seiden und Bänder, nicht zu scheuen brauchten.

Neben dem privaten Gewinn der ortsansässigen Handwerker, der Kauf- und Handelsleute sowie der noch heute in Nördlingen recht zahlreichen Gastwirte nahm die Stadt während der Messe in Form von Stapelgeldern – diese fortlaufenden besonders für Salz und Wein -, von Standgeldern, Zöllen und allerlei Gebühren zusammen recht ansehnliche Summen zum Vorteil der Stadtkammer ein.

Bei der Vielfalt und Verschiedenartigkeit der während der Pfingstmesse gehandelten Waren blieb der Messebetrieb nicht auf einen Platz oder ein Gebäude beschränkt, sondern dehnte sich über einen weiten Bereich der Altstadt innerhalb des Altstadt-Straßenringes aus, wobei einzelne Waren und Handelsgüter in bestimmten Gebäuden, andere in Gassen und Plätzen konzentriert waren.

Als sich im 15./16. Jahrhundert das innereuropäische Handelsinteresse nach der Entdeckung von Amerika (1492) veränderte und zudem durch das Verlagswesen andere Produktionsabläufe und Vertriebsformen entstanden, verlor die Nördlinger Pfingstmesse im Laufe der Jahrhunderte zunehmend an Anziehungskraft und Bedeutung. Der von alters her gleichzeitige Jahrmarkt-, Festzelt- und Budenbetrieb, der auch heute noch zu dem Messetermin am zweiten Samstag nach Pfingsten beginnt und 10 Tage lang dauert, erfreut sich jedoch nach wie vor bei Alt und Jung aus Nah und Fern großer Beliebtheit, wobei am Schluss der Herrenmontag ein traditioneller Nördlinger Feiertag geworden ist.